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Wer sollte in Wertschriften investieren?
Jeder sollte in Wertschriften investieren, wenn er folgende zwei Fragen mit ja beantworten kann:
Kann ich über einen gewissen Zeitraum auf mein Anlagevermögen oder einen Teil davon verzichten?
Kann ich mit kurzfristigen Kursschwankungen umgehen?
Risikoarme Anlagen brauchen weniger Zeit, um sich von einer allfälligen Korrektur an der Börse zu erholen als risikoreichere Anlagen. Für sichere Obligationenanlagen ist ein Anlagehorizont von mindestens zwei Jahren empfehlenswert. Auf Gelder, welche in Aktien investiert werden, sollte der Anleger mindestens 8 bis 10 Jahre verzichten können. Nur so kann er trotz kurzfristiger Börsenkorrekturen eine hohe langfristige Rendite erwarten. Bevor man sich für eine konkrete Anlagestrategie entscheidet, sollte man die persönliche finanzielle Situation und die Risikobereitschaft hinterfragen.
Was ist eine Aktie, was sind die Vor- und Nachteile?
Eine Aktie ist ein Wertpapier, welches einen Anteil an einer Gesellschaft verbrieft. Jedem Aktionär gehört demnach ein Bruchteil des Unternehmens und er kann dadurch von einem guten Geschäftsgang des Unternehmens profitieren. Investoren versuchen den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu eruieren. Dafür sind Prognosen über den zukünftigen Geschäftsverlauf notwendig. Durch Neuigkeiten am Markt und psychologische Faktoren verändern sich die Prognosen und der Aktienkurs schwankt täglich. Dies ist auch der Nachteil beim Investieren in Aktien. Das kurzfristige Verlustpotenzial ist grösser als bei anderen Anlagemöglichkeiten. Für das eingegangene, sogenannte systematische Risiko, wird der Anleger langfristig mit einer höheren Renditeerwartung entschädigt. Bei Aktien liegt diese langfristig bei rund 8 Prozent. Ein grosser Vorteil liegt darin, dass nur der Dividendenertrag der Einkommenssteuer unterliegt. Der gesamte Kursgewinn muss in der Schweiz nicht als Einkommen versteuert werden, was je nach Grenzsteuersatz einer Renditenerhöhung nach Steuern von über 40% gleichkommt. Betrachtet man die Vergangenheit, so war eine breit gestreute Aktienanlage für langfristig orientierte Anleger eine sinnvolle Investition.
Was bedeutet Diversifikation?
Unter Diversifikation versteht man eine breite Streuung der Investitionen auf verschiedene Anlagemöglichkeiten zur Reduktion der Kursschwankungsrisiken. Damit wird das Verlustrisiko reduziert, weil sich in Bezug auf Risiko und Rendite nicht alle Anlagen gleich verhalten. Man kann die Anlagen innerhalb einer Risikokategorie (z.B. im Aktienbereich) oder über das Gesamtvermögen diversifizieren. Nur das sogenannte systematische Risiko, welches durch den Gesamtmarkt vorgegeben ist, kann nicht eliminiert werden. Für das systematische Risiko wird der Anleger dafür mit einer höheren Renditeerwartung entschädigt. Jeder Investor sollte unabhängig von seiner Risikotoleranz die Anlagen breit streuen, um damit unnötige Risiken zu vermeiden.
Was ist eine Obligation, welches sind die Vor- und Nachteile?
Eine Obligation ist ein Wertpapier mit einem festen oder variablen Zinssatz. Der Käufer einer Obligation stellt dem Schuldner für einen im Voraus definierten Zeitraum Fremdkapital zur Verfügung und wird dafür mit einem Zins entschädigt. Im Gegensatz zum Aktionär ist ein Obligationär Gläubiger und nicht Miteigentümer der Gesellschaft. Der Vorteil einer Obligation als Investitionsmöglichkeit liegt in der Sicherheit der Anlage, sofern man Schuldner mit hoher Bonität auswählt. Ein Nachteil ist die tiefere Renditeerwartung und die Tatsache, dass in der Schweiz die gesamten Zinserträge als Einkommen versteuert werden müssen. Der Anleger sollte vor dem Kauf einer Obligation deshalb immer die Rendite auf Verfall unter Berücksichtigung seines Grenzsteuersatzes berechnen. Oft weisen Obligationen mit einem hohen Coupon eine schlechtere Rendite nach Steuern auf, als solche mit einem tiefen Coupon.
Was sind Exchange Traded Funds (ETF's)?
ETF's sind kostengünstige Anlageprodukte, die zum Ziel haben, einen Index möglichst genau abzubilden. Weil der Fondsmanager nicht aktiv ins Geschehen eingreift, sondern nur den zugrunde liegenden Index nachbildet, nennt man ETF's auch passive Anlagefonds. Wenn man sich für die richtigen Indices entscheidet, ist eine breite Diversifikation, ähnlich wie bei Anlagefonds, möglich. Dies, und der Umstand, dass ETF's bedeutend kostengünstiger sind als aktive Fonds, hat in den letzten Jahren zu einer wachsenden Beliebtheit dieser Finanzinstrumente geführt. Die jährlichen Verwaltungsgebühren variieren zwischen rund 0.15% und 0.6%, der Ausgabeaufschlag entfällt. ETF’s werden wie Aktien an der Börse gehandelt, dies stellt sicher, dass sie immer fair bewertet sind.
Was versteht man unter Anlagestrategie?
Während Geld auf dem Konto oder Obligationen in Schweizer Franken tiefe Risiken bedeuten, geht ein Anleger bei fremden Währungen oder mit Aktien höhere Risiken ein. Unter Anlagestrategie versteht man die Aufteilung der Wertschriften auf verschiedene Anlagekategorien in Bezug auf das zu erwartende Risiko. Die Anlagestrategie muss auf die persönlichen Bedürfnisse des Anlegers abgestimmt werden. Die wichtigsten Bestimmungsfaktoren sind der Anlagehorizont, die zu erwartenden Geldflüsse sowie die persönliche Risikofreudigkeit des Anlegers. Die Anlagestrategie sollte weiter auf die individuelle Steuersituation und die restlichen Vermögenswerte abgestimmt werden.
Was sind strukturierte Produkte?
Unter strukturierten Finanzinstrumenten versteht man Produkte, welche sich aus verschiedenen Anlageinstrumenten und Derivaten zusammensetzen. Zu den bekanntesten Produkten gehören diejenigen mit einem (bedingten) Kapitalschutz. Solche Produkte werden von den meisten Finanzinstituten angeboten.
Strukturierte Produkte sind komplex aufgebaut und die genaue Funktionsweise sollte vor dem Kauf vom Anleger hinterfragt werden. Nur so kann er das eingegangene Risiko abschätzen und die Gebührenstruktur hinterfragen.
Wie kann das Risiko beim investieren in Wertschriften reduziert werden?
Zunächst muss festgehalten werden, dass der Anleger mit Wertschriften kurzfristig immer ein Schwankungsrisiko eingeht. Deshalb ist der Anlagehorizont in jedem Fall entscheidend. Nur wer seinen Anlagen genügend Zeit einräumen kann, sich nach einer Korrektur wieder zu erholen, sollte in Wertschriften, insbesondere in Aktien investieren. Weiter werden die Wertschwankungen einer Anlage reduziert, indem die Risiken breit gestreut und Instrumente eingesetzt werden, die eine geringe Korrelation aufweisen. Weil viele Anleger ein Verlangen nach Sicherheit haben, bieten immer mehr Banken und Finanzgesellschaften Produkte mit einer Kapitalerhalt-Garantie an. Die Absicherung ist im Normalfall relativ teuer und lässt sich durch die richtige strategische Ausrichtung oftmals kostengünstiger umsetzen.
Was versteht man unter Value Investing?
Der Value Investor versucht mittels fundamentaler Analyse, Aktien ausfindig zu machen, die aktuell unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Oft handelt es sich um Unternehmen, die schlechte Nachrichten publizieren mussten oder sich in einer Umbruchsphase befinden. Da sich die Anleger oft nur für kurzfristige Gewinn- und Umsatzentwicklungen interessieren, werden solche Aktien teilweise mit einem Abschlag gehandelt. Der Value Investor glaubt daran, dass die Börse die relative Unterbewertung gegenüber dem Gesamtmarkt mittelfristig korrigiert und er dadurch langfristig eine höhere Rendite erwirtschaften kann.
Was versteht man unter Growth Investing?
Der Growth Anleger investiert in Unternehmen mit einer hohen Zuwachsrate beim Umsatz und Gewinn. Er rechnet damit, dass diese Entwicklung auch in Zukunft anhält oder sich sogar steigern lässt. Solche Wachstumsaktien weisen normalerweise ein höheres Kurs-/Gewinnverhältnis auf als der Gesamtmarkt, was sich durch gute Zukunftsprognosen rechtfertigen lässt. Investoren sind also bereit, für überdurchschnittliches Wachstum einen höheren Preis für eine Aktie zu bezahlen.
Welches sind die Risiken beim Investieren in Wertschriften?
Beim Investieren in Wertschriften besteht das Risiko im Verlustpotenzial bzw. in den Wertschwankungen. Je höher das Risiko, desto höher sind die Schwankungen. Ausgedrückt wird das Risiko mit der einfachen jährlichen Standardabweichung, auch Volatilität genannt. Je nach Investition sind die Risiken unterschiedlich hoch. Bei Obligationen mit guter Bonität und eher kurzer Laufzeit ist die Gefahr eines Verlustes beispielsweise eher gering, während bei Aktieninvestments das Risiko bedeutend höher ist. Wichtig ist, dass sich Anleger der Risiken bewusst sind und bei einer Börsenkorrektur nicht die Nerven verlieren. Bei der Bestimmung der Anlagestrategie sind, neben der Liquiditätsplanung, die Risikofreudigkeit des Anlegers sowie seine Risikofähigkeit die wichtigsten Parameter.
Wann spricht man von einer Spekulationsblase?
Wenn die Märkte bereits überteuert sind und die Kurse trotzdem laufend steigen, ohne auf die realwirtschaftlichen Gegebenheiten zu reagieren. Solche Situationen kann es geben, weil die Anleger zu euphorisch werden und das Gefühl bekommen, etwas zu verpassen, wenn sie nicht investiert sind. Negative Nachrichten werden ignoriert und positive dazu verwendet, die steigenden Kurse zu rechtfertigen. Wie der Name andeutet, enden solche Spekulationsblasen meistens abrupt mit einer starken Korrektur an den Märkten.
Welches sind die wichtigsten Parameter beim Bestimmen der persönlichen Anlagestrategie?
Um eine langfristig zielgerechte Anlagestrategie zu bestimmen, sollte eine grobe Finanzplanung erstellt werden. Nur so können zukünftige Geldflüsse (Ab- und Zuflüsse), welche ein sehr wichtiges Bestimmungskriterium darstellen, hergeleitet werden. Dadurch wird verhindert, dass der Anlagehorizont falsch eingeschätzt wird und die Strategie immer wieder angepasst werden muss. Anpassungen sind immer mit Kosten verbunden.
Neben dem Anlagehorizont ist Ihre persönliche Risikofreudigkeit ein weiterer wichtiger Parameter. Bei der Bestimmung der Risikofreudigkeit geht es darum, herauszufinden, wie Sie persönlich mit Schwankungen bzw. mit Verlusten umgehen können.
Wieso ist die Struktur des Gesamtvermögens genau so wichtig wie die Struktur des Wertschriftendepots?
Wenn es um die Festlegung der Anlagestrategie geht, berücksichtigen die meisten Anleger nur die Struktur des Wertschriftendepots. Langfristig gebundene Mittel, wie Geldanlagen in der zweiten und dritten Säule, sowie Eigenmittel in Liegenschaften werden hingegen ausgeklammert. Gerade diese Gelder machen oft einen Grossteil des Vermögens aus und stehen dem Anleger zu einem späteren Zeitpunkt für die Einkommenssicherstellung wieder zur Verfügung. Da die Vorsorgegefässe eine steuerprivilegierte Sparform darstellen, sollte der Anleger dort vor allem Zinserträge und im privaten Wertschriftendepot möglichst Kapitalgewinne anfallen lassen, sofern sich dies mit der Gesamtstrategie vereinbaren lässt.