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Wie kann ich herausfinden, ob mein Vermögensverwalter zusätzlich zum Verwaltungshonorar Retrozessionen erhält?
Häufiges Umschichten und teure Finanzprodukte können Anzeichen für hohe Retrozessionszahlungen an den Vermögensverwalter sein.
Der Vermögensverwalter muss Auskunft darüber geben, wie hoch die von ihm erhaltenen Bank- und Produktretrozessionen sind. Im Vermögensverwaltungsvertrag muss festgehalten werden, was mit den durch den Vermögensverwalter vereinnahmten Retrozessionen geschieht. Behält er sie teilweise oder vollständig für sich, muss der Kunde explizit darauf verzichten. Entsprechende Klauseln sind teilweise nur im Kleingedruckten vermerkt und umschrieben: „Der Kunde verzichtet auf Rückvergütungen von Banken…“ oder „allfällige Zahlungen von Dritten darf der Vermögensverwalter einvernehmen und für sich behalten…“. Die genaue Höhe der Zahlungen ist nicht in jedem Vermögensverwaltungsvertrag ersichtlich, muss für den Kunden aber zumindest abschätzbar sein. Bei einer Anfrage muss der Vermögensverwalter dem Kunden Rechenschaft über die Höhe aller Rückvergütungen abliefern. Ein Verzicht auf Rechenschaftsablage im Vermögensverwaltungsvertrag ist nicht gültig und ein Anzeichen dafür, dass der Verwalter etwas zu verstecken hat.
Von wem erhalten Vermögensverwalter Retrozessionen?
Jeder Vermögensverwalter kann von zwei Parteien Retrozessionen erhalten: Banken und Produktanbietern.
Banken:
Bei Bankgebühren werden die Retrozessionen in Prozenten der Gesamtgebühren (z.B. Courtage, Depotführungsgebühr etc.) bezahlt. Sind die Bankgebühren hoch, kann vermutet werden, dass die zwischen der Bank und dem Vermögensverwalter vereinbarten Retrozessionen ebenfalls hoch sind.
Produktanbieter:
Bei Finanzinstrumenten werden Retrozessionen normalerweise in Prozenten der Produktgebühren (z.B. Management Gebühr bei Fonds oder strukturierten Produkten) bezahlt. Gebührenintensive Anlageinstrumente lösen höhere Retrozessionszahlungen aus als kostengünstige. Initialkosten beim Kauf, beispielsweise der Ausgabeaufschlag bei Fonds, fliessen grösstenteils in Form von Provisionen an den Vermögensverwalter. Bei Einzeltiteln (z.B. Obligationen oder Aktien) ist kein Produktanbieter zwischengeschaltet und es fallen neben den Bankgebühren keine weiteren Kosten an. Daher können auch keine Produktretrozessionen bezahlt werden.
Erhalten auch Banken Retrozessionen?
Retrozessionen können in zwei Kategorien aufgeteilt werden; Bank- und Produktretrozessionen. Sie fallen einerseits bei Bankgeschäften (Kauf und Verkauf von Wertschriften, Devisengeschäften oder Depotführung) an. Andererseits zahlen Produktanbieter Retrozessionen an den Vermögensverwalter beim Kauf und/oder auf dem Bestand eines Finanzproduktes. Dabei handelt es sich beispielsweise um den Ausgabeaufschlag bei Fonds oder um die sogenannten Bestandespflegekommissionen. Bei den Bankgeschäften fallen für Banken keine Retrozessionen an, sie erhalten dort bereits die volle Gebühr. Wenn Banken Finanzprodukte von anderen Banken oder unabhängigen Anbietern einsetzen, erhalten sie genau gleich wie andere Vermögensverwalter Abschluss- und Bestandsretrozessionen.
Sind die Verwaltungsgebühren bei einem Vermögensverwalter tiefer als bei einer Bank, weil dieser zusätzlich Retrozessionen erhält?
Jeder Vermögensverwalter kann seine Gebührenstruktur selber bestimmen. Ob und wie er den Erhalt von Retrozessionszahlungen in seine Gebührenstruktur einfliessen lässt, ist ihm überlassen und für den Kunden schwer nachvollzieh- und überprüfbar. Es gibt, vor allem nach dem Bundesgerichtsentscheid bezüglich Retrozessionen im Jahr 2006, immer mehr Vermögensverwalter, die zumindest die Retrozessionen von Banken oder Teile davon an ihre Kunden weiter leiten. Die Kunden profitieren so von rund 25% bis 50% tieferen Bankgebühren (Courtage, Depotführung, Devisenspread usw.). Bestandsretrozessionen bei Finanzprodukten werden fast ausschliesslich an institutionelle Investoren wie beispielsweise Pensionskassen zurückerstattet.
Kann ich herausfinden, wie hoch die Gesamteinnahmen meines Vermögensverwalters sind, die er mit meinem Anlagevermögen verdient?
Die Einnahmen eines Vermögensverwalters bestehen aus dem Verwaltungshonorar, welches die Kunden direkt an den Verwalter zu bezahlen haben. Zusätzlich kann der Vermögensverwalter Retrozessionen von Banken und Produktanbietern erhalten, welche im Zusammenhang mit der Verwaltung der Kundengelder stehen. Wie hoch diese genau sind, kann nur über den Vermögensverwalter herausgefunden werden. Zählt man alle drei Einnahmequellen (Verwaltungsgebühr, Bankretrozessionen und Produktretrozessionen) zusammen, kommt man auf die Gesamteinnahmen, die ein Vermögensverwalter mit dem Vermögen eines Kunden generiert.