Fragen und Antworten zum Thema Vermögensverwaltung

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Welches sind die Vorteile eines externen Vermögensverwalters gegenüber einer Bank?
Ein externer Vermögensverwalter muss keine hauseigenen Bankprodukte verkaufen und kann demnach für seine Kunden die besten am Markt erhältlichen Anlageinstrumente einsetzen. Er kann mit verschiedenen Partnern zusammen arbeiten und die Qualität regelmässig überprüfen, wie beispielsweise bei der Unterstützung im Research oder im Zusammenhang mit der Depotbank. Auch kann er sehr spezifisch auf Kundenwünsche eingehen und die Kunden somit individuell betreuen. Wichtig ist, dass der Vermögensverwalter nebst der Depotentwicklung die Gesamtvermögenssituation des Kunden im Auge behält und allenfalls sogar Unterstützung bei der Umsetzung von wichtigen Entscheiden bietet. Vom Beziehungsnetz eines Vermögensverwalters können die Kunden profitieren, wenn sie Unterstützung in anderen Bereichen der Finanzwelt benötigen.
Kann ich herausfinden, wie hoch die Gesamtgebühren für die Verwaltung meiner Vermögenswerte sind?
Die Gesamtgebühren bestehen einerseits aus den Verwaltungskosten des Vermögensverwalters, andererseits aus den Bank- und Produktgebühren. Zu den Bankgebühren zählen in erster Linie die Courtage, Depot- und Kontoführungsgebühr, Devisenspreads und ähnliche Kosten. Bei vielen Finanzinstrumenten (Fonds, strukturierte Produkte usw.) fallen Abschlussgebühren, z.B. der Ausgabeaufschlag bei Fonds, und jährliche Managementgebühren an. Wenn man die Gesamtgebühren für die Verwaltung des Vermögens eruieren will, muss man alle drei Komponenten (Verwaltungs-, Bank- und Produktkosten) zusammen zählen. Retrozessionen an den Vermögensverwalter müssen bei dieser Betrachtung nicht separat berücksichtigt werden, weil sie in den genannten Bank- und Produktgebühren bereits enthalten sind.
Bei Einzeltiteln (Aktien oder Obligationen) fallen keine Produktgebühren an, die gesamten Kosten bestehen dann aus dem Verwaltungshonorar des Vermögensverwalters und den Bankgebühren.
Welche Rolle spielt die Bank bei einem Verwaltungsmandat durch einen externen Vermögensverwalter?
Die Bank dient als Aufbewahrungsstelle für die Kundengelder und ermöglicht dem externen Vermögensverwalter den Zugang zur Börse. Sie übernimmt wichtige Aufgaben wie beispielsweise Verwahrung der Wertschriften, Administration der Konti oder Inkasso von Zinsen und Dividenden. Der Kunde profitiert von der Sicherheit der Bank. Der Gläubigerschutz gemäss Bankengesetz bei einer Insolvenz ist auch für Kunden, welche ihre Gelder von einem externen Vermögensverwalter betreuen, vollständig gewährleistet.
Für wen eignet sich ein Vermögensverwaltungsmandat?
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Kunden einen Vermögensverwalter mit der Betreuung der Wertschriften beauftragen. Häufig fehlen dem Kunden das notwendige Wissen, das Interesse und die Zeit, um sich intensiv mit den Anlagen zu beschäftigen und die Weltwirtschaft und Börsenmärkte laufend zu verfolgen. Ziel eines Vermögensverwaltungsmandates muss eine höhere langfristige Nettorendite nach allen Gebühren bei gleichem Anlagerisiko im Vergleich zu einem selber verwalteten Wertschriftendepot sein. Voraussetzungen einer Vermögensverwaltung sind ein enges Vertrauensverhältnis zum Betreuer, fachliche Kompetenz, absolute Diskretion, Nachhaltigkeit und Weitblick. Weiter dürfen Transparenz bei der Renditeberechnung und den anfallenden Kosten, regelmässige Berichterstattung sowie persönliche Gespräche vorausgesetzt werden. Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann diese Voraussetzungen erfüllen. Je nach Ausgangslage kann ein Vermögensverwalter ab einem Anlagevolumen von rund 50‘000 Franken einen Mehrwert gegenüber der Selbstverwaltung generieren.
Was versteht man unter Anlagestrategie?
Während Geld auf dem Konto oder Obligationen in Schweizer Franken tiefe Risiken bedeuten, geht ein Anleger bei fremden Währungen oder mit Aktien höhere Risiken ein. Unter Anlagestrategie versteht man die Aufteilung der Wertschriften auf verschiedene Anlagekategorien in Bezug auf das zu erwartende Risiko. Die Anlagestrategie muss auf die persönlichen Bedürfnisse des Anlegers abgestimmt werden. Die wichtigsten Bestimmungsfaktoren sind der Anlagehorizont, die zu erwartenden Geldflüsse sowie die persönliche Risikofreudigkeit des Anlegers. Die Anlagestrategie sollte weiter auf die individuelle Steuersituation und die restlichen Vermögenswerte abgestimmt werden.
Wie kann ich herausfinden, ob mein Vermögensverwalter zusätzlich zum Verwaltungshonorar Retrozessionen erhält?
Häufiges Umschichten und teure Finanzprodukte können Anzeichen für hohe Retrozessionszahlungen an den Vermögensverwalter sein.

Der Vermögensverwalter muss Auskunft darüber geben, wie hoch die von ihm erhaltenen Bank- und Produktretrozessionen sind. Im Vermögensverwaltungsvertrag muss festgehalten werden, was mit den durch den Vermögensverwalter vereinnahmten Retrozessionen geschieht. Behält er sie teilweise oder vollständig für sich, muss der Kunde explizit darauf verzichten. Entsprechende Klauseln sind teilweise nur im Kleingedruckten vermerkt und umschrieben: „Der Kunde verzichtet auf Rückvergütungen von Banken…“ oder „allfällige Zahlungen von Dritten darf der Vermögensverwalter einvernehmen und für sich behalten…“. Die genaue Höhe der Zahlungen ist nicht in jedem Vermögensverwaltungsvertrag ersichtlich, muss für den Kunden aber zumindest abschätzbar sein. Bei einer Anfrage muss der Vermögensverwalter dem Kunden Rechenschaft über die Höhe aller Rückvergütungen abliefern. Ein Verzicht auf Rechenschaftsablage im Vermögensverwaltungsvertrag ist nicht gültig und ein Anzeichen dafür, dass der Verwalter etwas zu verstecken hat.
Von wem erhalten Vermögensverwalter Retrozessionen?
Jeder Vermögensverwalter kann von zwei Parteien Retrozessionen erhalten: Banken und Produktanbietern.

Banken:
Bei Bankgebühren werden die Retrozessionen in Prozenten der Gesamtgebühren (z.B. Courtage, Depotführungsgebühr etc.) bezahlt. Sind die Bankgebühren hoch, kann vermutet werden, dass die zwischen der Bank und dem Vermögensverwalter vereinbarten Retrozessionen ebenfalls hoch sind.

Produktanbieter:
Bei Finanzinstrumenten werden Retrozessionen normalerweise in Prozenten der Produktgebühren (z.B. Management Gebühr bei Fonds oder strukturierten Produkten) bezahlt. Gebührenintensive Anlageinstrumente lösen höhere Retrozessionszahlungen aus als kostengünstige. Initialkosten beim Kauf, beispielsweise der Ausgabeaufschlag bei Fonds, fliessen grösstenteils in Form von Provisionen an den Vermögensverwalter. Bei Einzeltiteln (z.B. Obligationen oder Aktien) ist kein Produktanbieter zwischengeschaltet und es fallen neben den Bankgebühren keine weiteren Kosten an. Daher können auch keine Produktretrozessionen bezahlt werden.
Sind die Verwaltungsgebühren bei einem Vermögensverwalter tiefer als bei einer Bank, weil dieser zusätzlich Retrozessionen erhält?
Jeder Vermögensverwalter kann seine Gebührenstruktur selber bestimmen. Ob und wie er den Erhalt von Retrozessionszahlungen in seine Gebührenstruktur einfliessen lässt, ist ihm überlassen und für den Kunden schwer nachvollzieh- und überprüfbar. Es gibt, vor allem nach dem Bundesgerichtsentscheid bezüglich Retrozessionen im Jahr 2006, immer mehr Vermögensverwalter, die zumindest die Retrozessionen von Banken oder Teile davon an ihre Kunden weiter leiten. Die Kunden profitieren so von rund 25% bis 50% tieferen Bankgebühren (Courtage, Depotführung, Devisenspread usw.). Bestandsretrozessionen bei Finanzprodukten werden fast ausschliesslich an institutionelle Investoren wie beispielsweise Pensionskassen zurückerstattet.
Ist eine Gewinnbeteiligung bei einem Verwaltungsmandat sinnvoll?
Ob eine Gewinnbeteiligung sinnvoll ist, hängt auch von den Bedürfnissen und Ansichten des Kunden ab. Macht die Gewinnbeteiligung einen hohen Anteil an den Gesamtkosten aus, ist der Vorteil, dass man nur bei guter Börsenlage und / oder guter Arbeit des Vermögensverwalters hohe Gebühren bezahlen muss. Ein Nachteil einer hohen Gewichtung der Gewinnbeteiligung an den Gesamteinnahmen des Vermögensverwalters liegt darin, dass das Erreichen der Zielrendite oftmals oder sogar hauptsächlich von der Lage an den Finanzmärkten abhängt und weniger vom Leistungsausweis des Vermögensverwalters. Eine zu hohe Gewinnbeteiligung hat weiter den Nachteil, dass der Berater verleitet werden kann, kurzfristig zu hohe Risiken einzugehen. Eine Gewinnbeteiligung in angemessener Höhe kann aber durchaus sinnvoll sein. Denn ein erfolgreicher Vermögensverwalter soll langfristig auch mehr verdienen als ein schlechter und dadurch für seinen Erfolg entschädigt werden. Am wichtigsten ist, dass sich der Kunde mit dem jeweiligen Gebührenmodell des Vermögensverwalters wohl fühlt und versteht, wieso er welche Gebühren bezahlen muss.
Ist Finanzberatung gegen Honorar immer unabhängig?
Nein, Beratung gegen Honorar ist nicht automatisch unabhängig. Denn Provisionen können bei einer Honorarberatung genau gleich fliessen wie bei einer Gratisberatung. Im schlimmsten Fall ist der Kunde sogar doppelt benachteiligt: Er gibt Geld aus für die Beratung und hat danach trotzdem teure Produkte mit hohen Kickbacks im Depot. Vor jeder Honorarberatung sollte sich der Kunde informieren, ob im Hintergrund Provisionen bezahlt werden und wie hoch diese sind. Auch wenn bei einer allfälligen Umsetzung, zum Beispiel bei einer Vermögensverwaltung, Retrozessionen fliessen, können sich bei der Beratung Interessenkonflikte ergeben.
Welche Risiken bestehen bei einer Delegation der Vermögensverwaltung an einen externen Vermögensverwalter?
Der Kunde eines externen Vermögensverwalters trägt bei gleicher Anlagestrategie die gleichen Schwankungsrisiken wie der Bankkunde. Wichtig zu wissen ist, dass der Vermögensverwalter nur eine beschränkte Vollmacht über die Gelder des Kunden besitzt. Das bedeutet, dass er Käufe und Verkäufe innerhalb der festgelegten Anlagestrategie tätigen darf, jedoch keine Gelder aus dem Wertschriftenkreislauf entnehmen kann. Die Sicherheit seiner Vermögenswerte ist äquivalent zu einer Betreuung durch eine Bank. Bei einer allfälligen Insolvenz des Vermögensverwalters wären die Kundengelder nicht tangiert.
Wie werden externe Vermögensverwalter beaufsichtigt und kontrolliert?
Externe Vermögensverwalter sind verpflichtet, sich einer Selbstregulierungsorganisation anzuschliessen. Diese Organisationen können berufsethische Verhaltensregeln schaffen und sich der laufenden Marktentwicklung anpassen. Ziele der Regulierung sind die Qualitätssicherung der angebotenen Finanzdienstleistungen und die Festigung des guten Rufes des Finanzplatzes Schweiz. Ein Revisor prüft laufend die Einhaltung von Verhaltens- und Organisationsvorschriften der einzelnen externen Vermögensverwalter. Die Bekämpfung der Geldwäscherei hat bei den Selbstregulierungsorganisationen einen hohen Stellewert.
Wieso spielt es überhaupt eine Rolle, wie viel der Vermögensverwalter mit dem Kundenvermögen verdient? Am Schluss ist doch das einzige was zählt die erzielte Rendite des Vermögensverwalters?
Eines ist klar: Finanzdienstleistungen sind nicht billig. Trotzdem gibt es keinen Grund, wieso ein Kunde nicht wissen soll, wie viel ihn die Dienstleistung seines Vermögensverwalters genau kostet. Transparenz nützt auch dem Vermögensverwalter, weil dadurch das Vertrauensverhältnis zum Kunden gestärkt werden kann. Wenn ein Vermögensverwalter für gute Arbeit zusätzlich entschädigt werden möchte, kann dies auch über transparentere Massnahmen als Retrozessionen erreicht werden. Das System einer Gewinnbeteiligung ist dabei nur eine Möglichkeit.
Richtig: Unter dem Strich zählt die Rendite nach allen Gebühren. Ein guter Vermögensverwalter soll auch mehr verdienen als ein schlechter. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille: Die langfristige Rendite, die mit Ihrem Vermögen erzielt wird, ist ein Wert in der Zukunft. Gebühren fallen immer an. Ob versteckte oder hohe Gebühren gerechtfertigt sind, kann erst nach vielen Jahren herausgefunden werden. Weiter zu beachten gilt, dass es verschiedene Möglichkeiten der Renditeberechnung gibt. Wird die Rendite vor oder nach Gebühren ausgewiesen und welche Berechnungsvariante kommt zur Anwendung? Zusätzlich ist es sinnvoll, bei einer Renditeanalyse auch zu berücksichtigen, welches Risiko eingegangen wurde, um die Performance zu erreichen. Nur die erzielte Rendite für eine gewisse Zeitperiode zu analysieren ist eine oberflächliche Betrachtungsweise.
Welches sind die Risiken beim Investieren in Wertschriften?
Beim Investieren in Wertschriften besteht das Risiko im Verlustpotenzial bzw. in den Wertschwankungen. Je höher das Risiko, desto höher sind die Schwankungen. Ausgedrückt wird das Risiko mit der einfachen jährlichen Standardabweichung, auch Volatilität genannt. Je nach Investition sind die Risiken unterschiedlich hoch. Bei Obligationen mit guter Bonität und eher kurzer Laufzeit ist die Gefahr eines Verlustes beispielsweise eher gering, während bei Aktieninvestments das Risiko bedeutend höher ist. Wichtig ist, dass sich Anleger der Risiken bewusst sind und bei einer Börsenkorrektur nicht die Nerven verlieren. Bei der Bestimmung der Anlagestrategie sind, neben der Liquiditätsplanung, die Risikofreudigkeit des Anlegers sowie seine Risikofähigkeit die wichtigsten Parameter.
Kann ich herausfinden, wie hoch die Gesamteinnahmen meines Vermögensverwalters sind, die er mit meinem Anlagevermögen verdient?
Die Einnahmen eines Vermögensverwalters bestehen aus dem Verwaltungshonorar, welches die Kunden direkt an den Verwalter zu bezahlen haben. Zusätzlich kann der Vermögensverwalter Retrozessionen von Banken und Produktanbietern erhalten, welche im Zusammenhang mit der Verwaltung der Kundengelder stehen. Wie hoch diese genau sind, kann nur über den Vermögensverwalter herausgefunden werden. Zählt man alle drei Einnahmequellen (Verwaltungsgebühr, Bankretrozessionen und Produktretrozessionen) zusammen, kommt man auf die Gesamteinnahmen, die ein Vermögensverwalter mit dem Vermögen eines Kunden generiert.